Anglo-Nubier Ziegen

Anglo-Nubier Ziegen

Der Einsatz von Ziegen in der Landschaftspflege hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr etabliert. Entweder in Form von einzelnen mitlaufenden Tieren in Schafherden oder aber als ganze Herde sorgen sie durch ihre Vorliebe für Laubgehölze für eines wirkungsvollen Verbiss an aufkommendem Buschwerk. Ausgehend von der naturschutzfachlichen Zielsetzung und der Anpassungsfähigkeit von Ziegen an extreme Standorte (Hitze, kärgliche Vegetation mit geringer Futterqualität) wurden in der Döberitzer Heide erstmals 1998 Ziegen zur Landschaftspflege eingesetzt.

Die langen Ohren sind ein typisches Merkmal der Anglo-Nubier Ziege

Die Haltung erfolgt in weitläufigen Koppeln mit festen Maschendrahtzäunen. Hier ist zu beachten, dass Ziegen über ein beachtliches Sprungvermögen verfügen. Bei reiner Festzäunung ist eine Zaunhöhe von 1,60m empfehlenswert. Eine Aufteilung der Fläche erfolgt mithilfe stromführenden Euronetzen. Solange diese durchgängig über ausreichende Spannung verfügen und innerhalb der Flächen ausreichend Futter zur Verfügung steht erweisen sie sich als äußerst wirkungsvoll. Nach heutigem Wissen besteht jedoch die Gefahr dass sich behornte Ziegenrassen in den Netzen verfangen können. Eine mehrmals tägliche Kontrolle der Tiere ist also unabdingbar.

Allgemein betrachtet hält sich der Betreuungsaufwand bei geeigneten Bedingungen im Rahmen. Wichtig ist eine ständige Versorgung mit frischem Wasser, eine sorgfältige Klauenpflege und jährlichen Wurmkuren sowie die Zufütterung in den Wintermonaten.

Die Ziegen dürfen ganzjährig ins Freie. Für das Wohlbefinden der Tiere ist es jedoch wichtig dass sie sich jederzeit in trockene und windgeschützte Unterstände zurückziehen können. Bei Schnee oder nasskaltem Wetter halten sich die Tiere auch bevorzugt hier auf. In den Unterständen erfolgt eine Zufütterung mit Heu. Zusätzlich werden Minerallecksteine angeboten.

In den Sommermonaten nutzen die Tiere vor allem größere Bäume bzw. Baumgruppen als Schattenspender.

Ziegen verfügen über ein deutlich breiteres Nahrungsspektrum als Schafe: Mit ihren zum Greifen geeigneten Lippen und der beweglichen Zunge können sie neben sehr kurzem Gras und niedrigen Kräutern auch starre Futterpflanzen erfassen. Mit Vorliebe werden stark aromatische Kräuter, sowie Blätter, Schösslinge, Zweige und Rinde von Sträuchern und Bäumen aufgenommen. Letzteres ist Hauptgrund für die Eignung im Einsatz in der Landschaftspflege. Ziegen sind in der Lage Pioniergehölze wie Robinie, Zitterpappel und Birke in naturschutzfachlich wertvollen Offenland-Biotopen kurz zu halten und wirkungsvoll zurück zu drängen.
Ihr Verbiss trifft allerdings auch erwünschte Gehölze: Mit Vorliebe werden u.a. Eichen und Heckenrosen befressen. Durch ihre enorme Mobilität erreichen Ziegen dabei beachtliche Fresshöhen. Oftmals sieht man wie sie auf den Hinterbeinen balancierend auch höhere Partien erreichen. Eine weitere Taktik besteht darin, mit ihrem Körpergewicht Sträucher und junge Bäume niederzudrücken bzw. auch umzubrechen um an die Blätter und Triebspitzen zu gelangen.

Abhilfe ist nur durch konsequentes Auskoppel bzw. Einzelbaumschutz zu schaffen.

Ziegen verfügen über einen weniger stark ausgeprägten Herdentrieb als Schafe. Bei der Gemeinschaftshaltung mit Schafen schließen sich kleinere Ziegengruppen meist der Schafherde an und lassen sie dementsprechend leicht leiten. Überwiegt die Ziegenzahl bilden sie eigendynamische, lockere Herdenstrukturen. Innerhalb der Herde kommt es öfter zu Rangkämpfen um die Hierarchie einzuhalten. Verletzungen der Tiere wurden, anders als bei der Stallhaltung,  durch die gegebenen Ausweichmöglichkeiten bisher nicht festgestellt.

Ein intensiver Kontakt zu den Tierbetreuern erweist sich auch in der Ziegenhaltung als vorteilhaft, denn ähnlich wie Rinder neigen Ziegen bei ausbleibendem Kontakt zum „Verwildern“ und lassen sich dann nur noch sehr mühevoll handeln. Eine tägliche Lockfütterung mit kleinen Mengen an Pellets oder Getreide erweist sich hier als äußerst wirkungsvoll.

Besteht ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Mensch, lassen sich die Ziegen einfach leiten. Mit bekannten Personen unternehmen solche Tiere dann gerne ausgedehnte Streifzüge durchs Gelände und folgen bei entsprechender Konditionierung auch zuverlässig.

Kommentare sind geschlossen.