Militärische Nutzung

Militärische Nutzung

Der ehemalige Truppenübungsplatz Döberitzer Heide befindet sich wenige Kilometer westlich der Berliner Stadtgrenze im Brandenburger Landkreis Havelland. In seiner Gesamtheit umfasst das Gebiet rund 5000 Hekar Fläche mit starker militärischer Prägung.

 

Bunker an der Großen Wüste

Der Ursprung der intensiven militärischen Nutzung auf dem früheren Truppenübungsplatz Döberitzer Heide lässt sich  auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück datieren: Mit dem Ziel einen großflächigen Übungsplatz zur Ausbildung des preußischen Heeres zu schaffen, wurden die bis dato vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen auf Geheiß des Königs von Preußen enteignet und militärisch entwickelt (Conrath 2016:www).

Während der NS-Diktatur wurde das Gelände stark überformt und um zahlreiche Bunkeranlagen und Schießstände erweitert: In den südlichen und nördlichen Randbereichen entstanden kulturhistorisch bedeutsame Kasernenkomplexe wie die Adler-Löwenkaserne im Elstal und die Krampnitz-Kaserne bei Potsdam, die zu Höchstzeiten „mehrere tausend Soldaten“ beherbergten (ebd.).
Mit der Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde die auf 5500ha angewachsene Liegenschaften „kaum angegriffen und beschädigt“  von den Sowjetischen Besatzungstruppen übernommen und bis zu ihrem Abzug 1992 als Standort „für die Stationierung und Schulung von Infanterie-, Artillerie-, Flug- (bis 1960), Raketen- und Aufklärungsbataillone“ genutzt (Conrath 2016:www).

Bereits zu Beginn der 1990er Jahre hatten lokale Naturschützer den naturschutzfachlichen Wert der Döberitzer Heide erkannt: Für Teilbereiche wie etwa das nördlich gelegene Ferbitzer Bruch „erfolgte noch vor der militärischen Auflassung […] die behördliche einstweilige Sicherung als Naturschutzgebiet (Naturschutzförderverein Döberitzer Heide 2016:www). Als langfristige Folge der militärischen Nutzung war ein komplexes Mosaik aus Biotoptypen und Landschaftsräumen entstanden, das sich zu einem Schmelztiegel der Biodiversität entwickelt hatte (BfN 2009: 36).

Bis heute finden sich zahlreiche Relikte der militärische Nutzung: Im Hintergrund Plattenbauten auf dem Gelände des Olympische Dorfes von 1936.
Konversion

Unmittelbar nach dem Abzug der Sowjetischen Truppen und der Rückführung der Liegenschaften in den Besitz des Landes Brandenburg 1992 erfolgte die Gründung des Naturschutz Fördervereins Döberitzer Heide e.V., der sich ab diesem Zeitpunkt  für Erhalt und Entwicklung der Döberitzer Heide einsetzte. Dem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Vielfalt der Döberitzer Heide bis heute überdauern und erlebbar gemacht werden konnte (Der Tagesspiegel 1997:www). In den folgenden Jahren wurde die Ausweisung von Schutzgebieten, sowie die wissenschaftliche Erfassung der vorhandenen Biodiversität vorangetrieben.

Im Zuge der Untersuchungen konnten neben zahlreichen stark gefährdeten Vogelarten wie Rohrdommel, Kranich und Baumfalke auch über 601 Pflanzenarten nachgewiesen werden, von denen rund 25% „auf der Roten Liste Brandenburgs“ geführt waren (Deutscher Rat für Landespflege 1993: 14). Der Deutsche Rat für Landespflege klassifizierte die Döberitzer Heide 1993 als „ wohl größter zusammenhängender naturnaher Bereich in einer deutschen Großstadtperipherie“ (ebd.) mit übergeordneter Bedeutung für den Erhalt der Biologische Vielfalt in Brandenburg.

Um  den übergeordneten Wert der Fläche zu erhalten und die Kette sukzessiver Prozesse zu steuern, etablierte der Förderverein im Rahmen des Vertragsnaturschutz erste Beweidungskonzepte (Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide 2016:www). Während Heidschnucken-Herden auf den trockenen Standorten die „Heide- und Sandflur Sukzessionsstadien“ beeinflussten, kamen auf den Niedermoorgebieten des Ferbitzer Bruchs vornehmlich robuste Gallowayrinder zum Einsatz (Deutscher Rat für Landespflege 1993: 14).

Altlasten

Trotz der großen Potentiale für Naherholung und Freizeitgestaltung, sowie der vielversprechenden Entwicklung konnte die Döberitzer Heide erst rund sieben Jahre nach Auflassung der militärischen Nutzung, eingeschränkt für den Besucherverkehr geöffnet werden. Grund dafür war die überdurchschnittlich hohe Belastung durch Kampfmittel aus fast 100-jähriger Militärzeit. Zusätzlich waren im Abzugsverfahren der Sowjetischen Besatzungstruppen unüberschaubare Mengen an Schrott und anderen Abfällen auf dem Gelände verblieben (Biermann und Cielewicz 2005:171). Erst ab 1999 begann man mit der Räumung der am stärksten belasteten Flächen. In dem Zuge wurde auch das geplante Wanderwegenetz von Kampfmitteln und Altlasten befreit, wobei über 8,6 Tonnen Munitionsschrott geborgen werden konnten (Conrath 2016:www).

Literatur

Biermann, K., und Cielewicz, E., (2005): Flugplatz Döberitz- Geburtsort der militärischen Luftfahrt in Deutschland, Ch. Links Verlag, Berlin
BfN – Bundesamt für Naturschutz (Hg.) (2009): Offenlandmanagement außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen, Bonn
Conrath, M., (Hg.) (2016): Zur Geschichte der Döberitzer Heide, [Website], eingesehen am 07.10.2016
Der Tagespiegel (1997): Ein Naturparadies vor den Toren Berlins wird von Granaten befreit, [Website],eingesehen am 07.10.2016
Deutscher Rat für Landespflege (1993): Truppenübungsplätze und Naturschutz, Meckenheim

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