NSG Ferbitzer Bruch

Naturschutzgebiet „Ferbitzer Bruch“

Der westliche Teil des früheren Truppenübungsplatzes Döberitzer Heide umfasst das Naturschutzgebiet „Ferbitzer Bruch“: Auf einer Fläche von 1115 Hektar finden sich feuchte und trockenere Lebensraumtypen im dichten Nebeneinander und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste eine geeignete Heimat.

 

Auch ruderale Landschaften sind Bestandteil des Ferbitzer Bruchs

Das Naturschutzgebiet „Ferbitzer Bruch“ gehört überwiegend zur Landeshauptstadt Potsdam, zum Teil auch zum Landkreis Havelland. Angrenzende Ortschaften sind Fahrland, Kartzow und Priort. Die Niederung des Großen Grabens an der südöstlichen Abbruchkante der Nauener Platte ist prägend für die Landschaft des Schutzgebietes. Hohe Grundwasserstände waren in historischer Zeit ausschlaggebend für eingeschränkte Nutzungen im Ferbitzer Bruch, sodass lediglich Weidewirtschaft und Wiesenmahd betrieben werden konnte.

Die Ortschaft Ferbitz, welche sich direkt am Rande der Niederung befand, musste mit der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Döberitz durch die Nationalsozialisten im Jahre 1936 aufgegeben werden.

Der Nutzungsdruck auf die bis dato landwirtschftlich genutzten Flächen entfiel. Das angelegte Grabensystem verfiel, und der Wasserabfluss wurde unterbrochen. Dies hat zur Folge dass bis heute ein ein ausgedehnten Wasserröhrichtbestand entstehen konnte, der für vielen seltenen Arten unserer Kulturlandschaft einen geeigneten Rückzugsort darstellt.
Das eigentliche „Ferbitzer Bruch“ umfasst lediglich eine Fläche von ca. 200 Hektar. Das Naturschutzgebiet wurde hingegen mit rund 1.155 Hektar ausgewiesen. Damit gehören zu den Landschaftselementen trockene, bodensaure Laubwälder (Eichenmischwälder), offene Sandflächen wie die sogenannte „Wüste“, Ackerflächen im Gebiet des „Ferbitzer Werders“, die durch Eis und Schmelzwasser geformten Hohlformen von Rundpfuhl, Grietenpfuhl, Großem Kietz und Mönch sowie ein Flachwassersee, der Prähl.

Bereits während der militärischen Nutzung gab es im NSG „Ferbitzer Bruch“ Naturschutzaktivitäten: In Verhandlungen mit den Militärs konnte durch Gründungsmitglieder des Naturschutz Fördervereins Döberitzer Heide e. V. ein inoffizielles Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Die Ausschilderung in russischer Sprache wurde von Soldaten und Offizieren auch überwiegend akzeptiert.

Noch vor der militärischen Auflassung erfolgte im März 1990 die behördliche einstweilige Sicherung als Naturschutzgebiet. Das notwendige Unterschutzstellungsverfahren wurde im März 1992 eröffnet. Die Festsetzung als Naturschutzgebiet fand mit der Veröffentlichung der Schutzverordnung am 16. April 1996 statt.

Naturausstattung

Ein abwechslungsreiches Mosaik an Landschaftsstrukturen prägt das Naturschutzgebiet: Feuchtwiesen und -wälder, extensiv genutzte Grünland- und Ackerflächen, Trockenrasen und Kleingewässer, Ruderalfluren und Eichen-Birkenwälder. Pfeifengraswiesen und Wasserröhrichte beherbergen höchstgefährdete Pflanzen- und Tierarten. 
Kranich und Graugans ziehen hier ihren Nachwuchs auf. Die Ringelnatter findet reiche Beute. Die Zwergmaus baut ihre Kugelnester an den Schilfhalmen. Der Moorochse (Große Rohrdommel) lässt weithin seinen Ruf erschallen. Über dem Röhricht zeigen die Rohrweihen ihre Flugspiele. Libellen jagen pfeilschnell nach Nahrung, und Schmetterlinge laben sich am reichlichen Blütennektar.

Heckrinder im Ferbitzer Werder | Potsdam

Seltene Pflanzenarten sind nur noch hier zu finden, wie z.B. das Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris), die Färber-Scharte (Serratula tinctoria), die Pracht-Nelke (Dianthus superbus), die Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale), das Große Schönmoos und viele andere.
Eine wertvolle Lebensgemeinschaft hat sich hier in der räumlichen Abgeschiedenheit und unter geringen menschlichen Eingriffen erhalten und konnte sich zu dieser Mannigfaltigkeit entwickeln. Die meisten Biotopkomplexe sind gemäß der FHH-Richtlinie europaweit geschützt.

 Typische Habitate gemäß der FFH-Richtlinie*

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung, (Wieder-)herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse

*nach dem Bundesamt für Naturschutz 2015

Schutzzweck

Die Schutzverordnung legt im § 3 den Schutzzweck fest:
Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes
als Standort seltener, in ihrem Bestand bedrohter und wildwachsender Pflanzengesellschaften, insbesondere von Röhrichten, Frisch- und Pfeifengraswiesen, Halbtrockenrasen, an frühzeitliche Landnutzungsformen gebundene Pflanzenarten, von Kleingewässern, naturnahen Gräben, nährstoffarmen Ruderalfluren und Eichen -Birkenwäldern;
als Lebensraum bestandsbedrohter Tierarten, insbesondere als Brut- und Nahrungsgebiet von Wirbellosen, Amphibien, Reptilien und Vögeln sowie als Rastgebiet für zahlreiche Zugvögel; als reich strukturierte Landschaft und wegen der besonderen Eigenart des Gebietes sowie den ausgedehnten Ruderalflächen; aus ökologischen und wissenschaftlichen Gründen.

 

 

Kleingewässerprojekt Ferbitzer Bruch

Laut Planfeststellungsbeschluss zum Vorhaben „B 5 Landesgrenze Berlin bis Ortsumgehung Wustermark, 2. BA“ wurde die Ausgleichsmaßnahme A/E 11 im NSG „Ferbitzer Bruch“ durchgeführt.

Der Bereich für die Neuanlage befindet sich in der Waldabteilung „Ferbitzer Werder“, unweit zum Großen Graben. Es handelt sich hier um die so genannte Große Grabenniederung, die in weiten Teilen vermoort ist. Dementsprechend fanden sich bei dem Abtragen über einer Ton- und helleren Mineralbodenschicht ein größerer Torfhorizont, der aber zumindest teilweise stärker zersetzt und als Mull vorhanden ist.

Das Niederschlagsdefizit der letzten Jahre und insbesondere in diesem Jahr (1999) hat den Grundwasserstand extrem sinken lassen. Aus diesem Grund ist die Anlage offener Wasserflächen eine der Naturschutzmaßnahmen, denen höchste Priorität gebührt. Die Anlage solcher offenen Wasserflächen dient zum einen der Pflanzen- und Tierwelt, die direkt an Gewässer gebunden sind, zum anderen profitieren Besiedler von Sümpfen und Mooren von diesen Maßnahmen, und natürlich überhaupt solche, die eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen.

In einer folgenden Bildersammlung werden Gestaltung und Fertigstellung des Projektes geschildert und einige Beispiele aus der Pflanzen- und Tierwelt genannt.
in Arbeit

Monitoring im Ferbitzer Bruch

Entwicklung 1990-2016

Die Tabelle kann waagerecht gescrollt werden.
Orchideenzählung
Orchideenzählung

Entwicklung 2007-2016

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