Offenlandmanagement

Naturschutz durch Beweidung

Der Einsatz von extensiven Beweidungskonzepten hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer anerkannten naturschutzfachlichen und planerischen Strategie entwickelt: Als eine kosteneffiziente Strategie zum Management ausgedehnter Flächen, findet der extensive Einsatz von Weidetiere zum Erhalt offener Lebensräume eine Renaissance in der Mitteleuropäischen Kulturlandschaft (Heinz Sielmann Stiftung 2015:11).

Durch den gezielten Einsatz großer Weide- und Wildtiere als Platzhalter für ausgestorbene Schlüsselarten der heimischen Landschaftsdynamik werden stark rückläufige, halboffene Weide- und Wildnislandschaften gefördert, die der langfristigen Erhaltung von Arten des Offenlands und seiner dynamischen Übergänge zu Gute kommen (ebd.: 11f).

Der initiale Impuls für ungelenkte ökologische und evolutive Prozesse, der durch eben solche Beweidungansätze gesetzt wird, erzeugt im Gegensatz zu maschinellen Pflegemethoden heterogene Strukturen in der Landschaft, die sich positiv auf die Artenvielfalt dieser Standorte auswirkt (LLUR 2010:8). Als Folgenutzung sind eben solche Ansätze geeignet, um das in ökologischer Hinsicht maßgebliche, ausbleibende Störungspotential militärischer Nutzung auf Konversionsflächen zu kompensieren.

Die Wirk- und Ausstrahlkraft solcher Projekte kann groß sein. Abhängig von der Konzeptionierung entstehen neben einer Überlagerung von Biodiversitätschutz und Landwirtschaft auch in touristischer Sicht gesehene spannungsreiche Räume, die in der Lage sind die regionale Wertschöpfung zu fördern und so dem Gedanken des integrativen Naturschutzes zuzuordnen sind.

Voraussetzungen für ganzjährige Weidekonzepte

Die Abgrenzung der großflächigen und ganzjährigen Weidesysteme erfolgt über die in der „Lüneburger Erklärung zu Weidelandschaften und Wildnisgebieten“, festgelegten Rahmenbedingungen, Stand 2003:

  • „Ganzjährige ( in Einzelfällen auch andere naturschutzorientierte ) Weidesysteme mit einer regionalspezifischen Mindestbeweidungsdichte,
  • Maximale Beweidungsdichte von etwa 0,6 GVE/ha,
  • Mindest- bzw. Startflächengröße 10ha, besser 50ha,
  • Einbeziehung möglichst unterschiedlicher Lebensräume der jeweiligen Landschaft inklusive Gewässer und Gehölze, um eine maximale Biodiversität zu erreichen und den Huftieren eine saisonal angepasste Habitatnutzung zu ermöglichen,
  • Beschränkung einer Zufütterung auf echte Notzeiten wie anhaltende Schneelage, Eisregen oder Hochwasser,
  • Mischbeweidung mit unterschiedlichen Ernährungstypen von Pflanzenfressern (Multispeziesansatz),
  • artgerechte Sozialstruktur mit der Möglichkeit zur Ausbildung von Traditionen“ (Bunzel-Drüke et. All 2008: 10).
Heckrind in Begleitung eines Schwarms Stare: Ein typischer Vogel in der naturnahen Weidelandschaft

Mit der Einheit GVE/ha (Großvieheinheit/ Hektar) lässt sich die Beweidungsdichte eines Standorts definieren. Eine GVE entspricht dabei einem oder mehreren Tieren mit einer Lebensmasse von 500kg, also etwa einem ausgewachsenen Pferd oder Rind mittlerer Größe (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie o.J.: www.).

Die genaue Einhaltung der Beweidungsdichte, die sich, wie bereits erwähnt, an den landschaftlichen Gegebenheiten orientiert, ist in zweierlei Hinsicht wichtig:

Zum einen muss gewährleistet sein, dass der Biomasseertrag der Fläche ausreichend groß ist, um die Tiere das ganze Jahr zu ernähren. Steht die Anzahl der Tiere nicht im angemessenen Verhältnis zur Produktivität der Fläche, muss im Winter intensiv zugefüttert werden, was den Nährstoffkreislauf der Flächen beeinflusst. Besonders für nährstoffarme Standorte, die häufig auf Konversionsflächen zu finden sind, kann diese Art der Eutrophierung erhebliche Beeinträchtigungen darstellen.

Zum anderen ist die Definition der Beweidungsdichte grundlegend, um den anvisierten Zielen der Maßnahme gerecht zu werden. Sowohl eine zu hohe als auch zu geringe Beanspruchung der Fläche wirkt sich negativ auf das Mosaik der unterschiedlichen Vegetationsformen und Sukzessionsstadien aus.

 

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