Halbwilde Pferde in der Optik des ausgestorbenen europäischen Wildpferdes weiden in den Naturschutzgebieten Ferbitzer Bruch und Döberitzer Heide, denn das Konik ist ein hervorragender Partner für den Erhalt offener Landschaften. Bereits in den 1980er hielten diese ursprünglichen Pferde Einzug in der Landschaftspflege und begeistern seitdem Naturschützer und Touristen gleichermaßen durch ihren einzigartigen aufgeschlossenen Charakter.

Das Konikpferd ist eine ursprüngliche polnische Pferderasse, die früher vorwiegend als Arbeits- und Fahrpferd eingesetzt wurde. Mit einer Widerristhöhe von etwa 140 cm und kräftigen und kompakten Körperbau zählen sie zu den Kleinpferden die im Typ eines nordischen Ponys stehen.
Vom Erscheinungsbild ähnelt das Konik dem ausgestorbenen europäischen Wildpferd, dem Tarpan. Lange Zeit hielt man sie sogar für seine direkten Nachfahren. Typische Merkmale sind das graufalbe Fell, welches in unterschiedlichen Schattierungen vorkommt, ein ausgeprägter Aalstrich auf dem Rücken und gestreifte Beine. Die Streifung ist bei jedem Tier individuell und unterschiedlich stark ausgeprägt.
Gelegentlich treten aber auch weißen Abzeichen und auch fuchsfarbene Tiere auf. Während dies im Rassestandard verpönt ist, freuen wir uns über diese kleinen Besonderheiten.

ROBUST, GENÜGSAM & LEICHTFUTTRIG

Konikpferde sind überdurchschnittlich robust und wenig anfällig für Erkrankungen. Aus diesem Grund eignen sie sich auch besonders für die ganzjährige halbwilde Haltung zu Zwecken der Landschaftspflege. Sie entwickeln ein dichtes Winterfell, welches sie zuverlässig vor widrigen Witterungseinflüssen schützt.
Die harten Hufen sind wenig empfindlich und bedürfen bei unbegrenztem Auslauf auf Flächen mit ausreichend mineralischen Bestandteilen selten Hufpflege. Durch das natürliche Bewegungsverhalten nutzen sich die Hufe selbstständig ab. Kommen die Pferde jedoch vorwiegend auf weicheren Böden zum Einsatz, ist eine regelmäßige Hufpflege unbedingt notwendig.

Koniks sind ausgesprochen leichtfuttrige Pferde. Das bedeutet, dass sie in der Lage sind nährstoffarmes Futter wie Schilf, Seggen und Landreitgras optimal zu verwerten. Sogar in den Wintermonaten können sie sich bei ausreichender Weidefläche (mindestens 2 ha/Pferd) von der überständigen Vegetation ernähren. Besonders dann werden auch Gehölze stark verbissen. GPS-Aufzeichnungen unserer Pferde haben ergeben, dass die Tiere rund 18 Stunden am Tag mit der Futteraufnahme beschäftigt sind. Auch in strengen Wintern suchen sich die Pferde ihr Futter bevorzugt selbst. 

Oben: Typisches Geradliniges Kopfprofil bei einem jungen Konikhengst
Unten: Stute mit ausgeprägter Zebrierung an den Beinen

WILD UND UNBERECHENBAR? IM GEGENTEIL!

Das Verhaltensspektrum dieser Rasse  entspricht ihrem äußeren Erscheinungsbild, und ist als sehr ursprünglich zu bezeichnen. Sie verfügt über ein ausgesprochenes  Sozial- und Herdenverhalten, welches unter anderem natürliche Mechanismen zur Vermeidung von Inzucht beinhaltet: Sowohl männliche als auch weibliche Fohlen werden nach ca. einem Jahr Narrenfreiheit vom Haremshengst aus der Herde gedrängt. Es ist naheliegend, dass auf diese Art und Weise vermieden werden soll, dass der Vater die eigenen Töchter deckt, oder die Junghengst Interesse an ihren Müttern entwickeln.
Typisch für den Konik ist ein freundliches und selbstbewusstes Wesen. Auch bei extensiver Haltung suchen die Tiere oft aus eigener Motivation Kontakt zu den menschlichen Betreuern. Im Sinne eines verantwortungsvollen und entspannten Tier- und Herdenmanagement lohnt es sich das Vertrauen der Pferde zu gewinnen. Unsere Herden lassen sich durch den regelmäßigen Kontakt ohne größere Schwierigkeiten verladen, umweiden oder für tierärztliche Kontrollen in Behandlungsstände zu führen.

Neben der Landschaftspflege eignen sich Koniks auch hervorragend als Freizeit- und Fahrpferd. Die Voraussetzung in ihnen einen loyalen Partner zu finden ist aber natürlich die gute und ihren Bedürfnissen entsprechende Behandlung.
Für die Boxenhaltung ist das Konikpferd genau so wenig geeignet wie jede andere Pferderasse: Nur in der ganzjährigen Offenstall- und Weidehaltung finden sie geeignete Bedingungen für ein langes und vor allem gesundes Leben.

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