WALDWEIDELANDSCHAFT RHINSLAKE
Beweidung für die Artenvielfalt

Das Gebiet „Rhinslake bei Rohrbeck“ wurde ab 2000 aufgrund seines früheren Artenreichtums als Schutzgebiet von gemeinschaftlichem Interesse an die EU gemeldet. Durch fehlende naturverträgliche Nutzung ging der vielfältige und halboffene Charakter der Landschaft jedoch mehr und mehr verloren, und mit ihm auch seine wertgebenden Tier- und Pflanzenarten.
In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt (LfU), der Unteren Naturschutzbehörde Havelland und der zuständigen Oberförsterei haben der Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide e.V. und der Forstbetrieb Schönholz ein
landschaftspflegerisches Entwicklungskonzept zur naturschutzfachlichen Aufwertung  des Gebiets erarbeitet, welches nun seit Spätsommer 2021 durch den Förderverein umgesetzt wird.

Rinder im Wald
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Rinder im Wald
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BIOTOPPFLEGE MIT RINDERN IM WALD

Zur Regenerierung eines lichten und artenreichen Niederungszuges, geprägt durch einen reichen und landschaftsbildbestimmenden Altbaumbestand aus Eichen, wurde im Spätsommer 2021 auf einer Gesamtfläche von rund 16 Hektar eine Biotoppflege mit robusten Gallowayrindern etabliert.

Durch die Wiederaufnahme einer naturnahen Weidenutzung mit alten und robusten Rinderrassen werden die vielfältigen und halboffenen Waldstrukturen des Gebietes nach historischem Vorbild wieder hergestellt. Die großen Weidetiere sorgen durch ihren Verbiss und Tritt für eine Auflichtung der gleichförmigen Vegetation. Dadurch werden dominante Störarten zurückgedrängt und Licht und Raum für konkurrenzschwächere Pflanzenarten und die Verjüngung der Zielbaumart Eiche geschaffen. ​Auf einer Gesamtfläche von 15 Hektar entstehen so wieder ideale Lebensbedingungen für besonders geschützte Arten.

Die Beweidung erfolgt als Standweide (April – November) mit einer geringen Besatzstärke von 0,25 – 0,5 GVE/ha. Jedem der eingesetzten Rinder stehen somit fast drei Hektar Waldfläche zur Verfügung. Bei Erschöpfung oder unzureichender Qualität des Aufwuchses ist eine umgehende Reduktion der Besatzstärke durch Verbringung der Tiere auf andere Flächen vorgesehen.


In Ergänzung zu der Biotoppflege durch Beweidung sind motormanuelle Pflegemaßnahmen wie Gehölzentnahmen in den Randbereichen der Feuchtwiesen und Pflegeschnitte des alten Obstbaumbestandes vorgesehen.
 

SCHLÜSSEL FÜR VIELFALT UND STRUKTURREICHTUM
Durch den Einsatz der Weidetiere soll die faunistische und floristische Artaustattung des FFH-Gebiets Rhinslake begünstigt werden. Als Ziele wurden definiert:

a) Wiederherstellung halboffener, lichter durch Eichen geprägter Waldstrukturen als Brut- und Fortpflanzungsstätte für Eremit (Osmoderma eremita), Hirschkäfer (Lucanus cervus), Wendehals (Jynx torquilla), Grünspecht (Picus viridis) und Nahrungshabitat für das Große Mausohr (Myotis myotis).
 

b) Wiederherstellung und Regenerierung von artenreichen Feuchtwiesen (u.a. Pfeifengraswiesen) auf verbrachten feuchten Freiflächen als mögliche Standorte für Vorkommen von Sumpfengelwurz (Angelica palustris).

c) Wiederherstellung und Entwicklung von arten- und saumreichen Waldwiesen mit locker eingestreuten Wildobstgehölzen auf trockenen Standorten als Brut- und Nahrungshabitat für Vogelarten der halboffenen Landschaften, wie Neuntöter (Lanius collurio) und Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Wiedehopf (Upupa epops).

 

d) Förderung von einem kleinstrukturiertes Habitatmosaik mit zahlreichen Ökotonen zwischen den unterschiedlichen Biotopen- und Standortbedingungen. Damit einhergehend die Begünstigung der Abundanz zahlreicher Artengruppen wie etwa Heuschrecken, Tagfalter, und Dungkäfer als wesentliche Nahrungsgrundlage für Amphibien, Vögel, Fledermäuse und Reptilien.

 

e) Reduzierung der Verdunstung im Gebiet und damit im Zusammenwirken mit einer noch anzustrebenden Regulierung des Grabenabflusses am Durchlass der Ortsverbindung Elstal/ Rohrbeck den Gebietswasserhaushalt eine Verbesserung der allgemeinen Grundwasserneubildung. Diese ist wesentlich um den ursprünglichen und für den Standort typischen Grundwasserflurabstand wieder zu erreichen, der eine wichtige Randbedingung auch für die Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen bildet.

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Haus- und Nutztiere im Naturschutz: Unsere Leitlinien

=> Tägliche Kontrollen des kompletten Tierbestands durch sach- und fachkundige Personen.

=> Vertrauensvolle Mensch-Tier-Beziehung zur Gewährleistung von tierärztlicher Betreuung mit reduziertem Stressaufkommen.
=> Im Bedarfsfall umgehende veterinärmedizinische Betreuung durch den Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
=> Einzeltiergenaue Behandlung gegen krankmachende Parasiten bei nachgewiesenem Befall.

=> Bereitstellung eines hellen und tiergerechten Krankenstalls für PatientInnen die längerfristige Betreuung benötigen.
=> Durchgängige Verfügbarkeit von Mineralfutter und Salzlecksteinen für alle Tiere.
=> Ständige Vorhaltung von ausreichend Rauhfutter von eigenen Flächen für Notzeiten.

=> Verhinderung von unkontrollierte Vermehrung.