Wilde Weiden

Wilde Weiden – Beweidung für die Artenvielfalt

Der Einsatz von großen Weidetieren zur Pflege von ausgedehnten Naturschutzflächen hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer anerkannten Strategie im Umgang mit sogenanntem „Offenland“ entwickelt. Besonders in den Niederlanden ist die „Wilde Weide“ bereits seit den 80er Jahren erfolgreich im Naturschutz etabliert. Weitläufige Landschaften werden dort mithilfe von robusten Rinder- und Pferderassen gepflegt. Eine nahe liegende Entwicklung, denn der Großteil der artenreichen Biotope in unserer historischen Kulturlandschaft ist durch menschliche Nutzung entstanden: insbesondere durch eine angepasste Beweidung mit Nutztieren wie Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen.

 

Durch die naturnahe Beweidung werden artenreiche Lebensräume gefördert.

Nach dem Abzug des Militärs zu Beginn der 1990er Jahre suchte man in der Döberitzer Heide nach Wegen um die artenreiche Offenlandschaft zu erhalten. Schnell wurden die Mitglieder des Fördervereins auf die naturschutzfachlichen Potenziale einer extensiven und naturnahen Beweidung aufmerksam.

Auf den meisten Flächen in den Naturschutzgebieten Döberitzer Heide und Ferbitzer Bruch setzen wir sowohl Konikpferde als auch Robustrinder wie etwa Galloways ein. Unsere Tiere verbringen das ganze Jahr auf ausgedehnten Koppelflächen mit einer Gesamtfläche von rund 350 Hektar. Der Einsatz einer sogenannten „Mischbeweidung“ hat sich hier bewährt. Im natürlichen Herdenverband lebend, beugen die beiden Tiere durch ihr unterschiedliches Fraßverhalten gemeinschaftlich einer Verbuschung des Geländes vor.
Doch vielmehr als das: Durch ihre artspezifischen Verhaltensweisen entsteht auf den Flächen ein kleinteiliges Netzwerk aus unterschiedlichen Biotopen und sukzessiven Stadien: Unterschiedlich stark befressene Bereiche und überständige Vegetation, Trampelpfade, Geilstellen, Suhlen, verschmähte Dornensträucher und eingestreute Hutebäume tragen zur naturräumlichen Diversifizierung des Areals bei und fördern ein reichhaltiges Artenspektrum an Tieren- und Pflanzen.

Gleichzeitig ist den Weidetieren eine Schlüsselfunktion in Hinblick auf die Nahrungskette zuzuschreiben:  Wussten Sie, dass jedes Rind im Monat rund eine Tonne Dung produziert, aus der im Prozess der Zersetzung mehrere Dutzende Kilogramm Insekten entstehen, die wiederum Nahrungsgrundlage für Vogelarten wie den Wiedehopf, Star oder Neuntöter sind?
Werden die Weidetiere regelmäßig prophylaktisch mit Parasitenmittel behandelt, tritt dieser Effekt übrigens nicht ein. Vielmehr bewirkt die Auswaschung der Toxine eher das Gegenteil, denn die gängigen Parasitenmittel aus der Nutztierhaltung sind wahre Chemiekeulen. Aus diesem Grund behandeln wir unsere Tiere nur bei nachgewiesenem Befall: besser fürs Tier, besser für die Umwelt.

Als Schlüsselfaktor für den Erfolg solch einer Beweidung ist zunächst eine angepasste Besatzdichte zu verstehen. Hier gilt es so zu kalkulieren, dass die Tiere sich ganzjährig von dem Futterangebot der Flächen ernähren können. Gleichzeitig sollen sie weder für einen ökologischen „Kahlschlag“ sorgen, noch den „Kampf“ gegen Sträucher und Gehölze verlieren. Denn weder auf überweideten noch auf zugewucherten Flächen gedeihen die Zielarten des Offenlandes. Es muss folglich ein gesundes Mittelmaß gefunden werden.
Abhängig ist die Besatzdichte in jedem Fall von dem potentiellen Ertrag der Flächen.

Darüber hinaus ist es wichtig, eine artgerechte Sozialstruktur innerhalb der Herden zu ermöglichen. Eine ausgewogene Altersverteilung gewährleistet, dass jüngere Tiere vom Erfahrungsschatz der Älteren lernen können. Dies ist insbesondere in Hinblick auf potentiell giftige Pflanzen wichtig.

Auch heute, nach 27 Jahren Erfahrung im „Offenlandmanagement“ sind wir von den positiven Effekten solch einer Beweidung überzeugt.

Eine angepasste Besatzdichte ist wesentlich für den Erfolg der naturnahen Beweidung.

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