Sorraia-Pferde

Sorraias

Sorraias gehen auf eine Restpopulation iberischer Wildpferde zurück, die in den 1920ern in den weitläufigen Flusslandschaften des Sorraia-Flusses in der nur dünn besiedelten, unzugänglichen Region Alentejo entdeckt wurde[1]. Weitestgehend unvermischt konnten diese Tiere durch die Bemühungen des portugiesischen Wissenschaftlers Dr. Ruy D‘Andrade bis heute rein erhalten werden.
Seit dem Frühjahr 2019 setzt der Naturschutz-Förderverein diese urtümlichen und seltenen Pferde im Rahmen der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet “Ferbitzer Bruch” ein.


Das äußere Erscheinungsbild der Sorraias entspricht dem ursprünglicher und primititver Pferderassen: Als charakteristisch gilt eine grau- oder gelbfalbe Fellfärbung mit ausgeprägter Zebrierung an den Beinen, in Verbindung mit einem dunklen Aalstrich. Ähnlich wie bei dem Konik oder dem Dülmener ist die Mähne stets zweifarbig. Allerdings unterscheidet sich der Körperbau der Sorraias deutlich von dem der zuvor genannten Ponyrassen. Sie weisen einen eleganten und schlanken Körperbau mit verhältnismäßig langen Gliedmaßen auf. Ihre Wideristhöhe erreicht zwischen 140-150 cm.
Unverkennbar ist der ausdrucksstarke Ramskopf, der ebenfalls als typisches Merkmal gilt.
Ihre Ursprünglichkeit spiegelt sich in der überdurchschnittlichen Robustheit dieser Pferde wieder. Sie sind bestens an die Verwertung trockener und karger Vegetation angepasst, und trotzen auch den kalten Wintern Deutschlands ohne Schwierigkeiten[1].

Heute, fast 100 Jahre nach ihrer Entdeckung, steht es immer noch schlecht um die Sorraia-Pferde. Denn der weltweite Bestand wird nur noch auf rund 200 Exemplare geschätzt, wodurch der Fortbestand dieser einmaligen Tiere akut bedroht ist. In Deutschland werden weniger als ¼ des Weltbestandes gehalten.

Eine weitere Schwierigkeit stellt der geringe Genpool dar. Die heutigen Tiere gehen allesamt auf wenige Tiere zurück, mit denen die Erhaltungszucht begonnen wurde. Da auf Fremdeinkreuzungen bis auf wenige dokumentierte Ausnahmen verzichtet wurde, sind alle Sorraias verhältnismäßig eng miteinander verwandt[2]. Die Tatsache, dass trotzdem bislang keine Inzuchtdepression aufgetreten ist, untermauert die Annahme einiger Experten, dass es sich einen echten Abkömmling der europäischen Wildpferde handeln muss[3]. Eine zielgerichtete Nachzucht unter Berücksichtigung der Verwandtschaftsgrade ist somit essentiell für den erfolgreichen Erhalt.

Im Rahmen eines Modellvorhabens setzt der Naturschutzförderverein seit Juni 2019 eine kleine Herde Sorraias zur Landschaftspflege ein. Erstmalig in Deutschland soll die Erhaltungszucht dieser einmaligen und seltenen Equiden innerhalb eines naturschutzorientierten Beweidungsprojektes erfolgen. Die fünf Pferde stammen von dem namhaften Züchter Sven Scyziel, der in den frühen 2000ern die Zucht des bekannten Hippologen und Verhaltensforschers Dr. Michael Schäfer übernahm. Schäfer gelang es in den 1970er Jahren die ersten Sorraias nach Deutschland zu importieren und legte damit den Grundstein für die koordinierte Erhaltungszucht.
In halbwilder Haltung durchstreifen die Pferde nun rund 40 Hektar Teilfläche des Naturschutzgebietes Ferbitzer Bruch im Landkreis Potsdam. In einer abwechslungsreichen Landschaft aus Sandtrockenrasen, ruderalen Grünland, Seggenrieden und lichten Eichenwäldern finden die genügsamen und robusten Sorraias optimale Lebensbedingungen, die der Charakteristik ihres ursprünglichen Lebensraums nah kommt.
Durch ihr Fraßverhalten und ihren Verbiss sorgen sie, ebenso wie unsere Konikpferde, für langfristigen den Erhalt der artenreichen halboffenen Lebensräume.


[1] http://www.sorraia.org/

[2] http://www.sorraia.info/Geschichtefull.html

[3] http://www.sorraia.org/another-breed.html

[1] https://www.wisentgehege-springe.de/ueber-uns/tierbestand/58-sorraiapferd

Kommentare sind geschlossen.