top of page
ERHALTUNGSZUCHT TRIFFT LANDSCHAFTSPFLEGE
Rettung für das iberische Sorraia-Wildpferd

Sorraias gehen auf eine Restpopulation iberischer Pferde zurück, die in den 1920er Jahren in den weitläufigen Flusslandschaften des Sorraia in der dünn besiedelten Region Alentejo entdeckt wurde. Durch die Bemühungen des portugiesischen Wissenschaftlers
Dr. Ruy d’Andrade konnte diese seltene Pferdepopulation weitgehend unvermischt erhalten werden. Seit dem Frühjahr 2019 setzen wir Sorraias im Rahmen der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Ferbitzer Bruch.

Weniger als 300 Tiere weltweit...

​

Der weltweite Bestand des Sorraias wird aktuell auf nur noch auf rund 200 Exemplare geschätzt, wodurch der Fortbestand akut bedroht ist. Denn eine daraus resultierende Schwierigkeit ist der kleine Genpool. Die heutigen Tiere gehen allesamt auf wenige Tiere zurück, mit denen vor einhundert Jahren die Erhaltungszucht begonnen wurde. Da auf Fremdeinkreuzungen bis auf wenige dokumentierte Ausnahmen verzichtet wurde, sind alle heute lebenden Sorraias verhältnismäßig eng miteinander verwandt.
Eine zielgerichtete Nachzucht unter Berücksichtigung der Verwandtschaftsgrade ist somit essentiell für den erfolgreichen Erhalt.
Die Tatsache, dass trotzdem bislang keine Inzuchtdepression aufgetreten ist, untermauert die Annahme einiger Experten, dass es sich einen echten Abkömmling der europäischen Wildpferde handeln muss.

​

Übringens: In Deutschland werden rund als ¼ des gesamten Weltbestandes gehalten!

Erhaltungszucht in halbwilder Haltung

Seit 2019 verbinden wir die Erhaltungszucht des Sorraia-Pferdes mit einem großflächigen Beweidungsprojekt im Ferbitzer Bruch. Die Tiere leben dort ganzjährig in Herdenverbänden unter naturnahen Bedingungen und sind zugleich Teil unserer Landschaftspflege.
Für uns bedeutet Erhaltungszucht nicht, eine seltene Rasse lediglich zahlenmäßig zu vermehren. Entscheidend ist, ihre typischen Eigenschaften und ihre Anpassungsfähigkeit an eine extensive Haltung langfristig zu bewahren. Robustheit, Genügsamkeit, ausgeprägtes Sozialverhalten und ein selbstständiger Umgang mit wechselnden Witterungs- und Futterbedingungen können sich nur dort erhalten, wo diese Eigenschaften im Alltag tatsächlich gefordert sind. Die halbwilde Haltung ist deshalb nicht nur eine Form der Unterbringung, sondern Teil unseres Zuchtansatzes.

 

Die Grundlage unserer Herde bildeten Tiere aus der Zucht von Sven Scyziel, der Anfang der 2000er Jahre Bestände des Hippologen und Verhaltensforschers Dr. Michael Schäfer übernahm. Schäfer hatte bereits in den 1970er Jahren Sorraias nach Deutschland gebracht und damit einen wichtigen Grundstein für die Erhaltung der Rasse hierzulande gelegt.

 

Schon 2020 wurden im Ferbitzer Bruch die ersten Fohlen geboren. Seither haben wir die Herde und die Zuchtgruppen schrittweise weiterentwickelt. Heute umfasst unser Sorraia-Bestand 20 Tiere. Unsere Tiere sind in das portugiesische Zuchtprogramm für das Sorraia-Pferd eingebunden; die Nachzucht wird vollständig registriert und ihre Abstammung dokumentiert.

 

Bei einer so kleinen Population ist jede Anpaarung von Bedeutung. Deshalb richtet sich unsere Zucht nicht nach einer möglichst hohen Zahl an Fohlen, sondern nach Abstammung, Verwandtschaft, genetischer Vielfalt, Gesundheit und der langfristigen Entwicklung der Herde. Geeignete Nachzuchten geben wir auch an andere verantwortungsvolle Halter weiter, um zur Erhaltung und Verbreitung der Rasse beizutragen.

​​​​​​​​​​​​​​​Iberische Pferde im märkischem Sand?

In halbwilder Haltung durchstreifen unsere Sorraias rund 40 Hektar im Naturschutzgebiet Ferbitzer Bruch. Die abwechslungsreiche Landschaft aus Sandtrockenrasen, ruderal geprägtem Grünland, Seggenrieden und lichten Eichenbeständen bietet den genügsamen und robusten Pferden ganzjährig vielfältige Futter-, Bewegungs- und Rückzugsräume.
 

Die trockenen, nährstoffarmen Standorte, offenen Flächen und lichten Gehölzstrukturen kommen den Ansprüchen der Rasse in vieler Hinsicht entgegen. Gleichzeitig gestalten die Pferde diese Landschaft selbst mit: Durch Fraß, Verbiss, Tritt und ihr natürliches Bewegungsverhalten halten sie Teilflächen offen, schaffen Übergänge zwischen unterschiedlichen Vegetationsstrukturen und tragen so zum langfristigen Erhalt artenreicher halboffener Lebensräume bei. Damit ist die Sorraia-Herde nicht nur Gegenstand unserer Erhaltungszucht, sondern zugleich ein aktiver Bestandteil der Landschaftsentwicklung im Ferbitzer Bruch.​

IMG_2641.jpg

Über das Sorraia-Pferd

Das Erscheinungsbild des Sorraia ist bis heute sehr charakteristisch. Typisch sind grau- oder gelbfalbe Fellfarben, ein dunkler Aalstrich entlang des Rückens und häufig eine deutliche Zebrierung an den Beinen. Ähnlich wie beim Konik oder Dülmener ist auch die Mähne meist zweifarbig, beim Sorraia jedoch häufig feiner und weniger dicht ausgeprägt.

​

Im Körperbau unterscheidet sich das Sorraia deutlich von vielen robusten Ponyrassen. Die Pferde wirken hochbeiniger, schlanker und eleganter, mit verhältnismäßig langen Gliedmaßen und einer oft deutlich ausgeprägten Knieaktion. Die Widerristhöhe liegt in der Regel zwischen etwa 140 und 150 Zentimetern.

​

Besonders markant ist die häufig konvex verlaufende Kopfform, der sogenannte Ramskopf, der dem Sorraia sein unverwechselbares Profil verleiht. Insgesamt verbindet die Rasse einen leichten, ausdauernden Körperbau mit großer Robustheit und Anpassungsfähigkeit an extensive Haltungsbedingungen.

Gelbfalbe Sorraias im Naturschutzgebiet "Ferbitzer Bruch": Charakteristisch für die Sorraias ist die ausgeprägte konvexe Kopfform.

IMG_7243.jpg
IMG_3321.jpg

Alle Sorraias aus der Döberitzer Heide sind im portugiesischen Stutbuch registriert. Mittels DNA-Analyse kann die vollständige Abstammung der Tiere eindeutig identifiziert werden.

Sorraiastuten zeichnen sich durch einen ausgeprägten Mutterinstinkt aus. Dieses gelbfalbe Stutfohlen trinkt bei seiner Mutter im Naturschutzgebiet "Ferbitzer Bruch".

2018 10 2AAA3_Logo_Entwurf-01.png
Naturschutz-Förderverein
Döberitzer Heide e. V.
Wir machen Artenvielfalt!
  • Facebook Clean
  • White Google+ Icon
  • Flickr Clean

© 2026 Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide e. V.. Erstellt mit Wix.com

bottom of page