Sorraias gehen auf eine Restpopulation iberischer Wildpferde zurück, die in den 1920ern in den weitläufigen Flusslandschaften des Sorraia-Flusses in der nur dünn besiedelten, unzugänglichen Region Alentejo entdeckt wurde. Weitestgehend unvermischt konnten diese Tiere durch die Bemühungen des portugiesischen Wissenschaftlers Dr. Ruy D‘Andrade bis heute rein erhalten werden. Seit dem Frühjahr 2019 setzt der Naturschutz-Förderverein diese urtümlichen und seltenen Pferde im Rahmen der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet “Ferbitzer Bruch” ein.

Erhaltungszucht in halbwilder Haltung
Im Rahmen eines Modellvorhabens setzt der Naturschutzförderverein seit Juni 2019 eine kleine Herde Sorraias zur Landschaftspflege ein. Erstmalig in Deutschland soll die gezielte Erhaltungszucht dieser seltenen Equiden innerhalb eines naturschutzorientierten Beweidungsprojektes erfolgen. Die halbwilde Haltung trägt dazu bei, die rassetypische Ursprünglichkeit und Robustheit der Pferde zu erhalten.

Zum Aufbau einer ersten Herde  werden Pferde aus der Zucht von Sven Scyziel eingesetzt, der in den frühen 2000ern die Bestände des bekannten Hippologen und Verhaltensforschers Dr. Michael Schäfer übernahm. Schäfer gelang es in den 1970er Jahren die ersten Sorraias nach Deutschland zu importieren und legte damit den Grundstein für die koordinierte Erhaltungszucht.

Mittelfristiges Ziel ist es, mehrere Zuchtgruppen aufzubauen, die auch in weiteren durch den Naturschutz-Förderverein initiierten Beweidungsprojekten zum Einsatz kommen sollen. Wesentlicher Bestandteil unserer Zuchtbemühungen  ist die Teilnahme an dem portugiesischen Zuchtprogrammen für das Sorraiapferd.

Iberische Pferde im märkischem Sand?

In halbwilder Haltung durchstreifen unsere Pferde nun rund 40 Hektar Teilfläche des Naturschutzgebietes Ferbitzer Bruch im Landkreis Potsdam. In einer abwechslungsreichen Landschaft aus Sandtrockenrasen, ruderalen Grünland, Seggenrieden und lichten Eichenwäldern finden die genügsamen und robusten Sorraias ganzjährig optimale Lebensbedingungen, die der Charakteristik ihres ursprünglichen Lebensraums nah kommt.
Gleichzeitig sorgen sie durch ihr natürliches Bewegungsverhalten und ihren Verbiss für den langfristigen Erhalt artenreicher halboffener  Lebensräume.

Weniger als 300 Tiere weltweit...

Der weltweite Bestand des Sorraias wird aktuell auf nur noch auf rund 200 Exemplare geschätzt, wodurch der Fortbestand akut bedroht ist. Denn eine daraus resultierende Schwierigkeit ist der kleine Genpool. Die heutigen Tiere gehen allesamt auf wenige Tiere zurück, mit denen vor einhundert Jahren die Erhaltungszucht begonnen wurde. Da auf Fremdeinkreuzungen bis auf wenige dokumentierte Ausnahmen verzichtet wurde, sind alle heute lebenden Sorraias verhältnismäßig eng miteinander verwandt.
Eine zielgerichtete Nachzucht unter Berücksichtigung der Verwandtschaftsgrade ist somit essentiell für den erfolgreichen Erhalt.
Die Tatsache, dass trotzdem bislang keine Inzuchtdepression aufgetreten ist, untermauert die Annahme einiger Experten, dass es sich einen echten Abkömmling der europäischen Wildpferde handeln muss.

Übringens: In Deutschland werden rund als ¼ des gesamten Weltbestandes gehalten!

Graufalbe Sorraiastute in der Döberitzer Heide: Charakteristisch für die Sorraias ist die ausgeprägte konvexe Kopfform.

Über das Sorraia-Pferd

Das äußere Erscheinungsbild der Sorraias entspricht dem ursprünglicher und primititver Pferderassen: Als charakteristisch gilt eine grau- oder gelbfalbe Fellfärbung mit ausgeprägter Zebrierung an den Beinen, in Verbindung mit einem dunklen Aalstrich. Ähnlich wie bei dem Konik oder dem Dülmener ist die Mähne stets zweifarbig. Allerdings unterscheidet sich der Körperbau der Sorraias deutlich von dem der zuvor genannten Ponyrassen. Sie weisen einen eleganten und schlanken Körperbau mit verhältnismäßig langen Gliedmaßen auf. Ihre Wideristhöhe erreicht zwischen 140-150 cm.

Unverkennbar ist der ausdrucksstarke Ramskopf, der ebenfalls als typisches Merkmal gilt.

Ihre Ursprünglichkeit spiegelt sich in der überdurchschnittlichen Robustheit dieser Pferde wieder. Sie sind bestens an die Verwertung trockener und karger Vegetation angepasst, und trotzen auch den kalten Wintern Deutschlands ohne Schwierigkeiten[1].

TYPISCHE MERKMALE
(Bitte mit Maus rüberfahren)
Naturschutz-Förderverein
Döberitzer Heide e. V.
Wir machen Artenvielfalt!
  • Facebook Clean
  • White Google+ Icon
  • Flickr Clean

© 2019 Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide e. V.. Erstellt mit Wix.com