Beweidung gehört in vielen unserer Projekte zu den prägenden Prozessen – von trockenen Offenlandschaften über Feuchtwiesen und Niederungen bis zu Waldweiden. Unsere Rinder, Pferde und Wasserbüffel sind dabei ein zentraler Bestandteil unserer Naturschutzarbeit. Durch Fraß, Tritt, Bewegung und Dung schaffen sie ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlichster Strukturen – von kurzrasigen Bereichen und offenen Bodenstellen bis zu Hochstauden, Gebüschen und Säumen. So entstehen vielfältige Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögel. Dabei entwickelt jede Fläche im Zusammenspiel von Tieren, Vegetation, Boden und Wasser ihren eigenen Charakter.

Auch der Tritt der Tiere trägt zu dieser Vielfalt bei. Kleinflächigen Bodenstellen bieten Keimräume für Pflanzen, die in einer geschlossenen Grasnarbe kaum eine Chance hätten, und schaffen zugleich warme, offene Lebensräume für zahlreiche Insekten. Weidetiere transportieren Nährstoffe zudem durch die Landschaft: Sie fressen an einer Stelle und scheiden ihren Dung an einer anderen aus. Auch die Samen vieler Pflanzen werden im Fell, an den Hufen oder nach Passage durch den Verdauungstrakt verbreit

Durch Verbiss, Scheuern und gelegentliches Schälen beeinflussen die Tiere auch die Entwicklung von Sträuchern und Bäumen und tragen zur Entstehung fließender Übergänge zwischen Offenland, Gebüsch und Wald bei. Dabei bleiben aber insbesondere dornige Gehölze als wichtige Landschaftsrequisiten erhalten und tragen maßgeblich zur strukturellen Vielfalt halboffener Lebensräume bei.

Mit jedem Dunghaufen entsteht für kurze Zeit ein eigener kleiner Lebensraum. Dungkäfer, Fliegen und zahlreiche weitere Wirbellose nutzen ihn als Nahrung, Brutstätte oder Entwicklungsraum. Sie zersetzen den Dung, arbeiten organisches Material in den Boden ein und machen darin enthaltene Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar. Gleichzeitig werden die im Dung lebenden Insekten selbst zur Nahrung für Vögel und andere Tiere. Auf extensiv beweideten Flächen entsteht so ein wichtiges Nahrungsnetz für

Auch der Tritt der Tiere trägt zu dieser Vielfalt bei. Kleinflächigen Bodenstellen bieten Keimräume für Pflanzen, die in einer geschlossenen Grasnarbe kaum eine Chance hätten, und schaffen zugleich warme, offene Lebensräume für zahlreiche Insekten. Weidetiere transportieren Nährstoffe zudem durch die Landschaft: Sie fressen an einer Stelle und scheiden ihren Dung an einer anderen aus. Auch die Samen vieler Pflanzen werden im Fell, an den Hufen oder nach Passage durch den Verdauungstrakt verbreit
Warum wir beweiden
Große Pflanzenfresser prägen Landschaften schon lange bevor der Mensch begann, Haustiere zu halten. Auerochsen, Wildpferde, Wisente, Rothirsche und andere Pflanzenfresser fraßen Gräser und Gehölze, schufen Trittstellen, verbreiteten Samen und hielten Teilflächen immer wieder offen. Zusammen mit natürlichen Störungen wie Feuer, Sturm oder Überflutungen trugen sie dazu bei, dass Landschaften nicht überall gleichförmig bewaldet waren, sondern örtlich ein dynamisches Mosaik aus offenen, halboffenen und stärker bewaldeten Bereichen entstehen konnte.
Wie groß der Einfluss großer Pflanzenfresser auf die ursprüngliche mitteleuropäische Landschaft genau war, wird wissenschaftlich unterschiedlich bewertet. Unstrittig ist jedoch, dass große Herbivoren wichtige ökologische Prozesse auslösen und die Strukturvielfalt von Landschaften wesentlich beeinflussen können.
Mit der Ausbreitung von Landwirtschaft und Viehhaltung übernahmen später Rinder, Pferde, Schafe und andere Haustiere einen Teil dieser landschaftsgestaltenden Funktion. Viele besonders artenreiche Lebensräume unserer heutigen Kulturlandschaft sind deshalb über Jahrhunderte durch extensive Beweidung und andere traditionelle Nutzungsformen entstanden. Ohne Beweidung oder vergleichbare Interventionen würden zahlreiche dieser Offen- und Halboffenlebensräume zunehmend verbuschen oder sich langfristig zu Wald entwickeln. Wertvolle Lebensräume würden samt ihrer besonderen Artengemeinschaften für immer verschwinden.
Extensive Beweidung erhält diese Landschaften dabei nicht einfach in einem festen Zustand. Sie schafft Dynamik: Manche Bereiche werden intensiv genutzt, andere kaum. Gehölze werden verbissen, Wege und Trittstellen entstehen, Vegetationsbestände werden aufgelockert und Dung schafft zusätzliche Nahrungs- und Lebensräume. Und gerade dieses Nebeneinander unterschiedlicher Strukturen macht dabei die Weidelandschaften ökologisch so besonders wertvoll.
Vielfalt entsteht durch Unterschiede
Unsere Weidetiere bewegen sich nicht nach einem festen Pflegeplan durch die Landschaft. Sie suchen Futter, Wasser, Ruheplätze und Schutz, folgen ihren artspezifischen Gewohnheiten und reagieren auf Jahreszeiten, Wetter und Vegetation. Dabei nutzen sie manche Bereiche immer wieder, während andere über längere Zeit kaum berührt werden.
Auch Rinder, Pferde und Wasserbüffel verhalten sich unterschiedlich. Sie bevorzugen andere Pflanzen, bewegen sich anders durch die Landschaft und hinterlassen jeweils eigene Spuren. Auf diese Weise entsteht aus dem Zusammenspiel von Tieren, Vegetation, Boden und Standort eine lebendige Weidelandschaft, deren Entwicklung sich nicht vollständig vorgeben lässt.
Unsere steuernde Aufgabe besteht darin, dafür gute Rahmenbedingungen zu schaffen: ausreichend große Flächen, passende Herdengrößen und eine extensive Haltung, die den Tieren Raum für ihr natürliches Verhalten lässt. So können sich die landschaftsgestaltenden Prozesse entfalten, die wir mit der Beweidung fördern wollen.
Tierwohl gehört dazu
Naturschutz und verantwortungsvolle Tierhaltung gehören für uns zusammen. Unsere Tiere werden regelmäßig kontrolliert und entsprechend ihrer Bedürfnisse versorgt. Gesundheitszustand, Futterangebot, Wasserversorgung und Zaunanlagen werden fortlaufend überprüft.
Die robuste Haltung unter naturnahen Bedingungen entbindet nicht von Verantwortung – im Gegenteil: Eine fachkundige und verlässliche Betreuung ist Voraussetzung für jedes unserer Beweidungsprojekte.



