Viele wertvolle Offenlandlebensräume sind auf kontinuierliche Nutzung und Pflege angewiesen. Neben der Beweidung gehört deshalb auch die mechanische Landschaftspflege zu unserer täglichen Arbeit. Von der Mahd artenreicher Feuchtwiesen bis zur händischen Pflege sensibler Standorte arbeiten wir dabei oft unter schwierigen Bedingungen. Unebenes Gelände, kleinräumige Flächen oder hohe Wasserstände erfordern Fachwissen, angepasste Technik und manchmal viel Fingerspitzengefühl. Fingerspitzengefühl.




Pfeifengraswiesen im Ferbitzer Bruch
Die Entwicklung artenreicher Feuchtwiesen ist häufig ein langfristiger Prozess. Im Ferbitzer Bruch pflegen wir seit vielen Jahren Flächen, die ursprünglich stark von Schilf, Seggen und hochwüchsiger Vegetation geprägt waren.Durch eine angepasste Mahd konnten sich aus der im Boden vorhandenen Samenbank nach und nach wieder typische Arten feuchter, nährstoffarmer Wiesen entwickeln. Heute kommen dort unter anderem Teufelsabbiss, Gelbe Spargelerbse, Färber-Scharte und Sumpf-Schafgarbe vor.Wann gemäht werden kann, richtet sich dabei nicht nach einem festen Kalender. Wasserstände, Witterung, Befahrbarkeit und der Entwicklungsstand der Vegetation bestimmen den geeigneten Zeitpunkt. Auch die Samenreife wichtiger Zielarten spielt eine Rolle. Auf einzelnen Flächen schließt sich eine kurze Nachbeweidung mit Rindern an, um die Vegetationsstruktur weiter zu differenzieren.

Pflege dort, wo natürliche Dynamik fehlt
Gezielte Pflegemaßnahmen setzen wir überall dort ein, wo regulierende Prozesse fehlen und einzelne Strukturen beginnen, andere wertvolle Lebensräume zu verdrängen. Ein Beispiel ist die Handmahd wertvoller Reliktvorkommen kalkreicher Steppentrockenrasen. Auf kleinen oder empfindlichen Standorten kann sie notwendig sein, um konkurrenzstarke Vegetation zurückzudrängen und die lichten Bedingungen zu erhalten, auf die viele typische Arten dieser Lebensräume angewiesen sind.
Auch Saumstrukturen benötigen mitunter gezielte Pflege. Ohne Beweidung oder andere Störungen können sich dort dichte, homogene Bestände etwa aus Landreitgras oder Kanadischer Goldrute entwickeln. Durch eine abschnittsweise Mosaikmahd werden Teilbereiche geöffnet, während andere als Deckung und Rückzugsraum erhalten bleiben. So entsteht ein Wechsel aus besonnten Bodenstellen, niedriger Vegetation, Hochstauden und Altgras, der insbesondere für Reptilien und zahlreiche Insekten wertvoll ist. Unser Ziel ist dabei nie, Vegetation möglichst vollständig zurückzusetzen oder Landschaft „aufzuräumen“. Wir greifen dort ein, wo fehlende Dynamik zu einer Verarmung der Strukturen führt.
Mit Astschere, Machete und Motorsense
Ein Teil unserer Landschaftspflege bleibt bewusst Handarbeit. Gemeinsam mit aktiven Ehrenamtlichen führen unsere geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in schwierigem Gelände selektive Pflegearbeiten durch. Mit Astschere, Machete und Motorsense werden gezielt Gehölze zurückgenommen, die von den Weidetieren nur wenig verbissen werden – etwa Ginster, Robinie oder Weißdorn. Ohne regelmäßige Nachpflege können solche Arten örtlich stark zunehmen und offene Strukturen zunehmend verdrängen.
Ziel ist dabei keine vollständige Gehölzbeseitigung. Einzelne Sträucher, Gebüsche und Übergangsbereiche bleiben wichtige Bestandteile einer vielfältigen Weidelandschaft. Entscheidend ist vielmehr, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen offenen Flächen und Gehölzstrukturen zu erhalten.
Dass solche Arbeiten notwendig sind, ist übrigens keineswegs neu: Schon in historischen Hutungslandschaften mussten Gehölze regelmäßig zurückgenommen werden, wenn Offenland dauerhaft erhalten werden sollte.
Freistellung von Kleingewässern
Auch Kleingewässer können ohne Pflege schleichend ihre Funktion als Amphibienlebensraum verlieren. Aufkommende Gehölze beschatten Ufer und Wasserflächen, verringern die Erwärmung des Wassers und können zugleich über ihre Verdunstung den Wasserhaushalt zusätzlich beeinflussen.

Pflege nach Maß
Landschaftspflege folgt bei uns keinem festen Schema. Dieselbe Maßnahme kann auf zwei benachbarten Flächen sinnvoll oder ungeeignet sein.Mahdzeitpunkt, Schnitthöhe, Befahrung, Nachweide, Gehölzpflege oder Mosaikmahd richten sich nach Standort, Wasserhaushalt, Vegetationsentwicklung und den Arten, für die eine Fläche besonders wichtig ist. Brutzeiten, Blüte und Samenreife sowie die Empfindlichkeit des Bodens müssen dabei ebenso berücksichtigt werden wie die praktische Befahrbarkeit.Dass wir viele Arbeiten mit eigenem Personal und eigener Technik umsetzen, ist dabei ein großer Vorteil. Wir können Maßnahmen kurzfristig anpassen, auf Witterung und Flächenentwicklung reagieren und Erfahrungen aus den Vorjahren direkt in die weitere Pflege einfließen lassen.







