Rinder, Pferde und Wasserbüffel sind das Herz unseres landwirtschaftlichen Betriebs. Sie leben auf großflächigen Naturschutzflächen im Havelland und verbringen den überwiegenden Teil des Jahres, viele ganzjährig, draußen in ihren Herden.
Dabei halten wir bewusst robuste Rassen, die mit einer extensiven Haltung, wechselnden Witterungsbedingungen und einem natürlichen Futterangebot gut zurechtkommen. Für uns stehen nicht maximale Leistung oder schnelles Wachstum im Vordergrund, sondern Gesundheit, Langlebigkeit, gute Konstitution, Sozialverhalten und die Eignung für eine naturnahe Herdenhaltung.
Unsere Tiere sollen möglichst viel von dem ausleben können, was ihr arteigenes Verhalten ausmacht: sich in der Herde bewegen, Sozialkontakte pflegen, Futter selbst auswählen, Ruheplätze aufsuchen und ihre Umgebung eigenständig nutzen.




Leben in der Herde
Unsere Tiere leben überwiegend in stabilen Herdenverbänden. Für Rinder, Wasserbüffel und Pferde ist diese soziale Struktur ein wesentlicher Bestandteil ihres natürlichen Verhaltens und maßgeblich für ihr Wohlbefinden.Vor allem Rinder und Wasserbüffel leben in matriarchisch geprägten Familienverbänden. Kühe, Töchter und weitere verwandte Tiere bleiben häufig über viele Jahre zusammen. Zwischen einzelnen Tieren entstehen enge soziale Bindungen und zum Teil ausgeprägte Freundschaften, die sich etwa in gemeinsamem Ruhen, gegenseitiger Körperpflege oder bevorzugter Nähe zeigen.
Eine besondere Rolle spielen die älteren, erfahrenen Tiere. In gewachsenen Herden wird Wissen über die Landschaft über Jahre weitergegeben – im Grunde entstehen so soziale Traditionen. Jungtiere lernen von den älteren Herdenmitgliedern, wo sichere Ruheplätze liegen, welche Bereiche zu unterschiedlichen Jahreszeiten besonders gutes Futter bieten, welche Pflanzen gemieden werden sollten und wo sich problematische oder gefährliche Stellen befinden. Gerade in großen, strukturreichen Weidelandschaften ist dieses Erfahrungswissen von großer Bedeutung.Ältere Tiere tragen zugleich zur Stabilität der Herde bei. Gewachsene Beziehungen und etablierte Rangordnungen schaffen Orientierung und reduzieren unnötige Auseinandersetzungen. Jungtiere wachsen dadurch nicht nur körperlich, sondern auch sozial in die Herde hinein und lernen schrittweise, sich sowohl innerhalb der Gruppe als auch in ihrer Umgebung sicher zu bewegen.
Auch bei unseren Pferden spielen langfristig gewachsene Sozialbeziehungen eine zentrale Rolle. Jungtiere beobachten ältere Herdenmitglieder, übernehmen Verhaltensweisen und lernen von ihnen, sich in der Gruppe und in der Landschaft zurechtzufinden.Diese Kontinuität ist für uns ein wichtiger Bestandteil tiergerechter Haltung. Wo immer möglich, erhalten wir deshalb stabile Herdenverbände und vermeiden unnötige Umgruppierungen.
Ganzjährige Weidehaltung
Ein großer Teil unserer Tiere lebt ganzjährig draußen. Voraussetzung dafür sind robuste Rassen, gesunde Tiere, geeignete Flächen und eine aufmerksame Beobachtung der Herden.
Gerade Rinder kommen mit niedrigen Temperaturen in der Regel sehr gut zurecht und vertragen Kälte deutlich besser als große Hitze. Mit dem Jahreszeitenwechsel entwickeln sie ein dichtes Winterfell, das sie wirksam gegen Wind und Kälte schützt. Auch unsere Pferde sind an eine ganzjährige Außenhaltung gut angepasst. Waldinseln, Gehölze, Geländestrukturen und geschützte Bereiche bieten zusätzlichen natürlichen Witterungsschutz; wo dies erforderlich ist, stehen Unterstände zur Verfügung.
Entscheidend ist dabei immer eine ausreichende Futterversorgung. Nur wenn den Tieren genügend Energie zur Verfügung steht, können sie ihre Körpertemperatur auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig halten. Neben Wasser, trockenen Liegebereichen und Witterungsschutz gehört deshalb die laufende Beurteilung des Futterangebotes zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine sichere Überwinterung im Freien.
Nicht jedes Tier ist dafür zu jedem Zeitpunkt gleichermaßen geeignet. Abgesetzte Jungtiere, angeschlagene Tiere oder Tiere mit unzureichender Körperkondition überwintern bei uns am Hof und können dort im Stall gezielter versorgt und beobachtet werden.Ganzjährige Außenhaltung bedeutet für uns deshalb nicht, Tiere unabhängig von Wetter, Futterangebot und individuellem Zustand draußen zu belassen. Entscheidend ist immer, ob die Fläche die notwendigen Bedingungen bietet – und ob das einzelne Tier für die Überwinterung im Freien gut gerüstet ist
Warum robuste Rassen?
Die Anforderungen an Tiere in großflächiger Naturschutzbeweidung unterscheiden sich deutlich von denen einer intensiven landwirtschaftlichen Haltung. Unsere Tiere müssen weite Strecken zurücklegen, mit wechselnder Futterqualität und unterschiedlichen Witterungsbedingungen zurechtkommen und sich in großen, strukturreichen Flächen sicher bewegen können.
Gerade alte und robuste Haustierrassen sind über viele Generationen unter deutlich weniger intensiven Haltungs- und Fütterungsbedingungen entstanden. In diesem Sinne haben sie sich gewissermaßen gemeinsam mit traditionellen Kulturlandschaften entwickelt. Sie sind nicht auf energiereiches Hochleistungsfutter angewiesen, sondern können mit dem Futterangebot extensiver Weiden ihre Kondition halten, sich gesund entwickeln und ihr natürliches Wachstum erreichen.
Das ist für unsere Form der Tierhaltung besonders wichtig. Auf unseren Weidelandschaften verzichten wir auf Düngung und auf die Ansaat von Hochleistungsgräsern. Das Futterangebot folgt dem Standort und der natürlichen Vegetationsentwicklung. Es umfasst Gräser, Kräuter, Hochstauden und Gehölze in einem breiten Spektrum an Zusammensetzung und Kaloriendichte.
Entscheidend sind deshalb nicht nur Wetterhärte und Genügsamkeit, sondern auch gesunde Klauen und Gliedmaßen, gute Muttereigenschaften und ein stabiles Herdenverhalten. Gerade in Gebieten mit Wolfspräsenz profitieren Kälber davon, wenn Mutterkühe wachsam sind, ihre Jungtiere konsequent führen und die Herde bei Gefahr geschlossen reagiert.
Wir setzen daher gezielt auf Rassen, die diese Eigenschaften bewahrt haben. Für unsere Haltung sind Tiere besonders geeignet, die langlebig, widerstandsfähig und an ein Leben in extensiven Herdenverbänden angepasst sind.

Futter aus der vielfältigen Landschaft
Während der Vegetationsperiode ernähren sich unsere Tiere ausschließlich vom natürlichen Aufwuchs der Weideflächen. Das Futterangebot ist vielfältig und reicht von Gräsern und Kräutern bis zu Hochstauden und Gehölzen. Die Tiere wählen ihr Futter weitgehend selbst und nutzen die Flächen je nach Jahreszeit und Vegetationsentwicklung unterschiedlich.
Durch die ganzjährig geringe Besatzdichte stehen auch in der Winterzeit in der Regel noch relevante Futterreserven auf den Flächen zur Verfügung.
Wo diese nicht ausreichen, ergänzen wir bedarfsgerecht mit Bio-Heu von unseren eigenen Naturschutzflächen.
Mineralfutter steht den Tieren dabei ganzjährig zur freien Verfügung. Ergänzend bieten wir Salzlecksteine an, sodass die Tiere ihren Bedarf selbstständig decken können.
Eine auf schnelle Gewichtszunahme ausgerichtete Mastfütterung gehört nicht zu unserem System. Eine Zufütterung mit Kraftfutter ist unter diesen Bedingungen weder erforderlich noch sinnvoll. Unsere Tiere sollen langsam wachsen, ihre Kondition aus dem natürlichen Futterangebot heraus entwickeln und sich unter extensiven Bedingungen gesund und robust entwickeln.
Tiergesundheit im Blick
Extensive Haltung bedeutet für uns nicht, die Tiere sich selbst zu überlassen. Unsere Herden werden täglich unmittelbar in Augenschein genommen. Dabei achten wir nicht nur auf offensichtliche Verletzungen oder Erkrankungen, sondern ebenso auf Verhalten, Körperkondition, Gangbild, Klauen und Hufe sowie Veränderungen innerhalb der Herde. Gerade weil unsere Tiere in stabilen Herden leben und wir viele von ihnen über Jahre kennen, lassen sich Abweichungen vom normalen Verhalten häufig früh erkennen. Ein Tier, das sich zurückzieht, weniger frisst, anders läuft oder sich innerhalb der Herde ungewöhnlich verhält, fällt dadurch schnell auf.
Grundlage dafür ist auch ein vertrauensvoller Umgang zwischen Mensch und Tier. Wir arbeiten nach den Prinzipien des Low Stress Stockmanship und gewöhnen unsere Tiere daran, sich ruhig lenken, separieren und behandeln zu lassen. Das reduziert Stress im täglichen Umgang und ermöglicht es uns zugleich, im Krankheits- oder Verletzungsfall schnell zu reagieren und einzelne Tiere gezielt aus der Herde zu nehmen.
Eine wichtige Grundlage bildet dabei eine gut durchdachte Weideinfrastruktur. Separationsgehege sowie mobiles Equipment wie Weidepanels, Behandlungsstände und Treibwagen ermöglichen Untersuchungen und Behandlungen auch auf weitläufigen Weideflächen. Tiermedizinische Maßnahmen erfolgen gezielt nach Bedarf; bei der Parasitenkontrolle verzichten wir auf eine routinemäßige Behandlung des gesamten Bestandes. Unsere Tierhaltung wird zudem tiermedizinisch durch die Kliniken der Freien Universität Berlin begleitet.
Wenn ein Tier mehr Betreuung braucht
Nicht jedes Tier kann zu jeder Zeit unter denselben Bedingungen gehalten werden. Kranke, verletzte oder geschwächte Tiere, abgesetzte Jungtiere sowie Tiere mit unzureichender Körperkondition benötigen zeitweise eine engere Betreuung.
Dafür steht uns am Hof Döberitzer Heide eine entsprechende Infrastruktur mit Winterställen, Krankenboxen, Paddocks und kleineren Koppeln zur Verfügung. Tiere können dort separat untergebracht, intensiver beobachtet, behandelt oder gezielt aufgefüttert werden.
Gerade diese Verbindung aus großflächiger, naturnaher Haltung und der Möglichkeit zur individuellen Versorgung ist für uns entscheidend: Die Tiere sollen so selbstständig und natürlich wie möglich leben können – und zugleich jederzeit die Betreuung erhalten, die sie im Einzelfall benötigen.
Zucht mit Verantwortung
Zucht ist für uns Teil einer langfristigen Herdenentwicklung. Entscheidend ist nicht eine möglichst hohe Zahl an Nachkommen, sondern die Auswahl gesunder, langlebiger und funktionaler Tiere, die zu unserer Form der Haltung passen.
Fortpflanzung, Geburt und die Aufzucht von Jungtieren gehören zugleich zum natürlichen Verhaltensspektrum unserer Tiere. Mutter-Kind-Bindungen, das Aufwachsen im Herdenverband und das Lernen von älteren Tieren sind wichtige Bestandteile eines möglichst naturnahen Herdenlebens. Deshalb verstehen wir Zucht nicht nur als gezielte Auswahl, sondern auch als Teil einer vollständigen sozialen Herdenstruktur.
Bei der Auswahl unserer Zuchttiere achten wir neben Körperbau und Gesundheit besonders auf Abstammung, Muttereigenschaften, Verhalten, Robustheit und die Eignung für eine extensive Haltung.
Wir züchten Galloways sowie Englische Parkrinder (White Park) im Herdbuch. Die Galloway-Rasse zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Farbvielfalt aus: Neben einfarbig schwarzen, roten und dunfarbenen Tieren gibt es White, Riggit und Brindle. Diese Vielfalt gehört für uns zum besonderen Charakter der Rasse.
Auch bei unseren Sorraias spielt Zucht eine wichtige Rolle. Hier ist sie Teil unserer Erhaltungsarbeit und erfolgt auf Grundlage dokumentierter Abstammungen und gezielt geplanter Anpaarungen.
Tiere zur Abgabe
Zur Entwicklung unserer Herden gehört auch, dass regelmäßig Tiere an andere Halter abgegeben werden. Geeignete Tiere vermitteln wir als Zucht-, Weide- oder Liebhabertiere mit und ohne Herdbuchpapiere.
Welche Tiere zur Abgabe stehen, richtet sich nach der Entwicklung unserer Herden, der Zuchtplanung und dem Bedarf auf unseren eigenen Flächen. Ein dauerhaft verfügbares Verkaufsprogramm gibt es deshalb nicht. Wichtig ist uns, dass die Tiere in Haltungen kommen, die zu ihren Bedürfnissen und Eigenschaften passen. Gerade unsere robusten Rassen eignen sich besonders für extensive Weidesysteme, Landschaftspflege und naturnahe Haltung.







